“Ich knall euch ab!” – Morton Rhue thematisiert Amokläufe an Schulen – Und wir schauen aufs EVSZ

“Ich knall euch ab!” – Morton Rhue thematisiert Amokläufe an Schulen – Und wir schauen aufs EVSZ

Was bringt einen Schüler dazu, so viele Menschen mit in den Tod zu reißen … wie Gary und Brendan es  in dem Jugendbuch „Ich knall euch ab!“ von Morton Rhue, welches wir im Deutschunterricht lasen, vorhaben?

In seinem Vorwort geht der Autor auf den Amoklauf an der Columbine High School, auch als Schulmassaker von Littleton bekannt, welcher sich am 20. April 1999 ereignete, ein – dieses traurige Ereignis bildete die Grundlage seines fiktiven Romans. Später, nach dem Amoklauf von Erfurt, ergänzt Morton Rhue sein Vorwort – Robert Steinhäuser hatte die Amokläufer von Littleton zum Vorbild.

Schul-Amok – so wird der bewaffnete Angriff mit Tötungsabsichten auf Personen einer Schule bezeichnet – ist ein ernstzunehmendes Thema, zu welchem wir, die Klasse 8a, Umfragen durchgeführt haben, die sich mit zwei Ursachen von Amokläufen befassten: „Mobbing“ und „Gewalt in den Medien“. Beide Problematiken lagen sowohl bei den Amokläufern von Littleton als auch bei Robert Steinhäuser vor. Dazu kamen jeweils noch Probleme im familiären Bereich.

Insgesamt haben wir ca. 500 Schüler der 5.-11. Klassen des Evangelischen Schulzentrums zu diesen Themen befragt. Die Schüler sollten verschiedene Fragen beantworten, zum Beispiel, ob und wie oft sie mit Gewalt in den Medien, speziell in Computerspielen oder Filmen, in Berührung kommen oder
ob sie schonmal mit Mobbing konfrontiert wurden. Zudem wurden sie z.T. auch befragt, inwiefern ihnen ein Zusammenhang zwischen diesen Bereichen und einer Gefahr eines Amoklaufes bewusst ist.

Wir konnten feststellen, dass Mobbing im Verlauf der Klassenstufen zunimmt, jedoch, wie auch im Diagramm zu sehen ist, in der 8. Klasse abnimmt. Laut Umfrage erreicht es in der 9. Klassenstufe den höchsten Punkt mit erschreckenden Zahlen. Mehr als 45% wurden schon mal gemobbt und ca. 40%
haben schon einmal eine andere Person gemobbt. Außerdem ergab die Auswertung, dass in den Realschulklassen mehr Mobbing herrscht, als am Gymnasium. Tendenziell lässt sich schlussfolgern, dass in den unteren Klassen scheinbar mehr präventiv gegen Mobbing gearbeitet wird, dies im Verlauf der Schullaufbahn abnimmt und die Schüler im Zusammenhang mit der Pubertät Mobbing aktiver spüren und ausführen.

Anders als beim Mobbing betrifft die Gewalt in den Medien vor allem die jüngeren Altersklassen. Viele spielen sogenannte „Ballerspiele“ oder schauen Filme, die sie laut FSK noch gar nicht spielen bzw. schauen dürfen.
Hierbei könnte die Gefahr darin bestehen, dass dies Auswirkungen auf die Zukunft haben kann. Im Zusammenhang mit Mobbing und Einsamkeit bestünde die Gefahr, dass Schüler sich unverstanden, ungeliebt, unfair behandelt fühlen und sich ein Hass entwickelt, der unter Umständen solche Gedanken entfalten wie die Figuren von Morton Rhue sie entwickeln.

Die älteren Schüler haben diese Auswirkungen oft besser unter Kontrolle, sofern sie psychisch stabil sind.

 

 

Natürlich ist nicht jeder Gamer amokgefährdet und nicht jedes Mobbingopfer wird zum Attentäter. Da spielen noch ganz andere Faktoren eine Rolle. Es hängt auch davon ab, wie stabil eine Person im mentalen Bereich ist. Und wie die Probleme in der Schule sowie mit Gleichaltrigen in der Schule oder in Peer Groups aufgefangen werden.

Die von uns befragten Schüler konnten die Gefahr bzw. den Zusammenhang zwischen Mobbing sowie Gewalt in Medien und der Gefahr eines Amoklaufs jedenfalls tendenziell herstellen.

Jedoch sollte jeder einmal in sich gehen und überlegen, ob er jemand anderen, vielleicht auch
unbewusst, psychisch verletzt und damit so eine Art Ausweglosigkeit bei demjenigen erzeugt!

Und wir sollten alle die Augen und Ohren öffnen, um Menschen, die sich vielleicht auf diesem Weg der Ausweglosigkeit befinden, unsere Hilfe anbieten zu können.

Letztendlich waren die Amokläufe von Littleton und Erfurt (und es gibt ja leider noch mehr Beispiele)  letzte Hilferufe von Schülern, deren krankhafter Hass auf ihre Mitmenschen und ihre Umwelt mit Mobbing und Ballerspielen zu wachsen anfing.

Ein Artikel von M. Kannenberg

Grafik: J. Schödl

betreut von: C. Herper

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