Ein Osterlicht für Zuhause – Ostergrüße von Frau Faust und Herrn Themel

Ein Osterlicht für Zuhause – Ostergrüße von Frau Faust und Herrn Themel


Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Sehnsucht ist der Anfang von allem“ schrieb Nelly Sachs. Ich sehne mich nach ganz Vielem in der Zeit des „social distancing“, des Abstandhaltens. Ich sehne mich nach den Gesprächen im Lehrerzimmer, nach dem Spaß und den Begegnungen mit meinen Klassen, den Meinungen zu Unterrichtsthemen. Ich sehne mich nach meiner Arbeit in den Gemeinden, Gottesdienste feiern, Gespräche, zusammen zu lachen, Leute treffen, plaudern, ins Caffè, Restaurant oder Kino gehen, nach Normalität und nach Berührung. Ich sehne mich einfach nach Gemeinschaft, die mein Leben bunter macht. Bunt, wie die genähten Hühner auf dem Bild. Ich will mich in dieses Häuschen setzen und mit Leuten erzählen, ein kühles Getränk trinken und mich berühren lassen von den Begegnungen.

In diesen Tagen feiern wir das Osterfest und feiern es irgendwie auch nicht. Was für unseren Glauben, ja für unser Mensch-Sein so wichtig ist, fehlt – die Gemeinschaft untereinander.

Eine bekannte Ostergeschichte aus dem Johannesevangelium erzählt von einer Frau, Maria Magdalena, die sich auch nach Berührung sehnt. Eine Berührung mit Jesus.
Am ersten Wochentag nach dem Sabbat ging Maria aus Magdala zum Grab. Es war früh am Morgen und noch dunkel. Da sah sie, dass der Stein vor der Grabkammer entfernt worden war. Sie rannte zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus besonders liebte. Denen berichtete sie: »Sie haben den Herrn aus dem Grab fortgebracht. Und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.« Sofort machten sich Petrus und der andere Jünger auf den Weg zum Grab. Die beiden rannten zusammen los, aber der andere Jünger überholte Petrus und war als Erster dort. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden daliegen. Aber er betrat die Grabkammer nicht. Als Simon Petrus nachkam, ging er gleich in die Grabkammer hinein. Er sah die Leinenbinden daliegen und auch das Tuch, mit dem das Gesicht von Jesus verhüllt gewesen war. Das lag aber nicht bei den Binden. Es war zusammengerollt und lag an einem anderen Platz. Nun ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst am Grab angekommen war. Er sah alles und kam zum Glauben. Sie hatten ja die Heilige Schrift noch nicht verstanden, nach der Jesus vom Tod auferstehen musste. Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück. Maria blieb draußen vor dem Grab stehen und weinte. Mit Tränen in den Augen beugte sie sich vor und schaute in die Grabkammer hinein. Da sah sie zwei Engel. Sie trugen leuchtend weiße Gewänder und saßen dort, wo der Leichnam von Jesus gelegen hatte. Einer saß am Kopfende, der andere am Fußende. Die Engel fragten Maria: »Frau, warum weinst du?« Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn fortgebracht. Und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!« Nach diesen Worten drehte sie sich um und sah Jesus dastehen. Sie wusste aber nicht, dass es Jesus war. Jesus fragte sie: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?« Maria dachte: Er ist der Gärtner. Darum sagte sie zu ihm: »Herr, wenn du ihn fortgeschafft hast, dann sage mir, wo
du ihn hingelegt hast. Ich will ihn zurückholen!« Jesus sagte zu ihr: »Maria!« Sie wandte sich ihm zu und sagte auf Hebräisch zu ihm: »Rabbuni!« (Das heißt: »Lehrer!«) Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater hinaufgestiegen. Aber geh zu meinen Brüdern und richte ihnen von mir aus: ›Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹« Maria aus Magdala ging zu den Jüngern. Sie verkündete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!« Und sie erzählte, was er zu ihr gesagt hatte.
Ich kann Maria Magdalena so gut verstehen. Sie sehnt sich danach, Jesus zu berühren, ihn sogar festzuhalten. Mir geht es auch oft so. Ich will Momente festhalten, nicht loslassen, aus Angst, sie könnten verblassen und an Bedeutung verlieren.
Und gerade jetzt in Zeiten von Corona und „Abstand halten“ kann ich die Sehnsucht nach Berührung so verstehen. Ich sehne mich nach Umarmungen. Ich sehne mich danach, Freunde, meine Eltern, liebe Menschen zu umarmen.
Jesu Antwort auf die Sehnsucht Maria Magdalenas „Halte mich nicht fest!“ finde ich so unangebracht, sie ärgert mich. Sie lässt mich gerade in dieser Zeit an eben jenes Kontaktverbot denken. „Wieso macht der das?“, frage ich mich. Nach längerem Nachdenken dämmert es. Jesus muss Maria Magdalena enttäuschen, so weh das tut und ihm sicher in der Situation auch. Auf die Berührung müssen beide verzichten, damit die größere, zukünftige Berührung des Aufer-standenen, nämlich zu vielen weiteren Menschen, und eben nicht nur Maria Magdalena, erfolgen kann.

Und so geht es auch mir und sicher auch euch zur Zeit. Wir müssen Berührungen gerade vermeiden, damit wir die Ausbreitung dieses Virus verringern können, um so hoffentlich ganz bald uns wieder so nah sein zu können, wie wir es gewohnt sind.
Aber berührt uns Gott auch in der Zeit des Kontaktverbots? Ich glaube ja.

In der 4. Strophe des Gesangbuchliedes „Korn, das in die Erde (EG 98), die nur im englischen Original zu finden ist, heißt es: „deine Berührung ruft uns wieder zurück ins Leben.“ Ich wünsche euch, dass Gott euch in diesen Tagen berührt. Er wird schon einen Weg dafür finden. Gerade jetzt in der Osterzeit. Ich denke, die Zeit nach Corona kann eine Zeit der Auferstehung werden, wo wir uns wieder berühren dürfen und berühren lassen können. Ich wünsche euch schon jetzt Berührungen mit Gott, ganz viele österliche Momente. Ich entdecke in diesen Tagen Spuren der Hoffnung, wo Gott uns berührt: Selfies von den Schülerinnen und Schülern, den Lehrerinnen und Lehrern auf dem Zeigefingerblog, freundliche Worte, ein „Wie geht es dir?“, Einkaufshilfen, Herrnhuter Sterne, die wieder hängen, als Hoffnungszeichen, das Singen von „Der Mond ist aufgegangen“ von den Balkons als Zeichen der Verbundenheit, Regenbogen an Fensterscheiben, Spaziergänge in der Natur oder Telefonate mit Menschen, die wir ein wenig aus den Augen verloren haben. Bleibt wachsam für Gottes Berührungen!

Ich hoffe und wünsche uns, dass wir wieder zurück in unser alltägliches Leben finden. Es wird anders, aber auch dann vertrauen wir darauf, dass Gott bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende.

Bleibt behütet. Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Es grüßen euch herzlich Claudia Faust und Benjamin Themel

Osterkerze


An unserer Schule ist es Tradition, am Montag nach den
Osterferien eine Osterandacht zu feiern und das Osterlicht in den
Klassen weiterzureichen. Dazu verteilen wir kleine Osterkerzen und
zünden sie im Klassenraum an. Oft stehen diese Kerzen dann lange
auf den Lehrertischen und erinnern an Jesus – das Licht der Welt.
Gestaltet ist die Osterkerze mit dem Kreuz und den Anfangs- und
Endbuchstaben des griechischen Alphabets (Alpha und Omega) –
Jesus Christus begleitet uns vom Anfang bis zum Ende unseres
Lebens.


In diesem Jahr laden wir Euch ein, auch Osterkerzen anzuzünden und vorher gemeinsam
mit der Familie zu gestalten: kleine Osterkerzen mit Wachsplatten, Window Colour oder
einfach mit einem Stift beschriften – oder ein Teelicht mit einer Zauberbotschaft gestalten:

Frohe Ostern! Der Herr ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!

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