Unser täglich Brot geben sie uns donnerstags

Unser täglich Brot geben sie uns donnerstags

Wer kennt es nicht? Der Wecker klingelt, man quält sich aus dem Bett, denn es ist Schule und natürlich begleitet einen der Zeitdruck. Man muss nochmal den Text für die Präsentation durchsprechen oder Hefter für Vertretungsstunden einpacken, von denen man zwei Minuten vor dem Aus-dem-Haus-gehen erfahren hat.

Da passiert es doch häufig, dass das frisch geschmierte Pausenbrot allein zu Hause liegen bleibt und man obendrein vergisst, den Chip fürs Mittagessen einzupacken. Um nicht allzu konzentrations-geschwächte Schüler in den Klassen sitzen zu haben, hat man sich etwas ausgedacht. Das Schülercafé.

Zuerst kam diese Idee vor zwei Jahren in der Projektwoche auf, die Frau Töpfer und Frieda Bergt leiteten. Es herrschte großer Andrang, als die Schülerfirma „Unser täglich Brot“ gegründet wurde und ab dem 16. 02.2016 jeden Dienstag im Vorraum der Mensa die Schüler mit gesunden Pausensnacks bediente. Die ersten Wochen funktionierte es ganz gut, aber aus organisationstechnischen Gründen schlossen die Tore des Cafés recht schnell wieder.

Die Schüler mussten also auf die Klassen warten, die einen Basar veranstalteten und mit einfallslosem Kuchengebacke ein bisschen Geld in die Klassenkassen spülen wollten. An sich nicht schlimm oder schlecht, aber nicht geeignet, um ein ausgewogenes Frühstück zu gewährleisten.

In der Projektwoche 2017 hauchte dieselbe Gruppe wie vor einem Jahr dem Café neues Leben ein. Am Samstag, dem 18. 02.2017, dem Tag der offenen Tür, wurden auch wieder seine Türen geöffnet, mit neu ausgearbeiteten Rezepten, einer neuen Öffnungszeit (Donnerstag) und mit Profilen bei sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram. Dazu haben wir auf unserem alten Blog einen Artikel geschrieben und ihr habt Sachen darunter kommentiert wie:

„Ich finde es toll, dass es [Schülercafé] jetzt endlich wieder geben soll, denn bisher hatte ja nie wer Lust dieses Café zu leiten oder keine Zeit“ oder „Sehr gute Idee. Auch dass man dann nicht zwingend in der Mensa mitessen muss“.

Wie man sieht, die Schülerschaft war hellauf begeistert, dass es eine günstige und gesunde Alternative zum Mensaessen und Schokoriegeln gab, die die Mitschüler anboten. Schade, dass es daran auch wieder gescheitet ist. Offensichtlich hatte keiner mehr richtig Lust, schon am frühen Morgen in der Schule auf der Matte zu stehen, um irgendeinen Quark anzurühren. Von Woche zu Woche müssen immer mehr Mitglieder abgesprungen sein, bis nur noch unsere tapferen Oberstufler, die doch nun wirklich Wichtigeres in dieser Zeit zu tun hatten, an der Theke standen. Anders kann man es sich nicht erklären, wie es sein konnte, dass die Öffnungszeiten immer unregelmäßiger wurden. Ob Personalmangel oder Geldprobleme, das war ein Hilferuf, der vor einigen Monaten erhört wurde. Es erbarmten sich ein paar Schüler aus der 8.,9.  und 10. Klasse und traten der Firma bei.

Albert Trautmann, der stellvertretene Schülersprecher des Gymnasiums, und Friedrich Biehl leiten nun das Projekt mit zehn Mitgliedern erfolgreich und auch die 8er Regelschulklasse wirkt mit leckeren und warmen Speisen wie Pizza oder Chili aus dem Hauswirtschaftsunterricht mit.

Das Café arbeitet sogar mit regionalen Unternehmen zusammen wie der Bäckerei Weck, dem Mühlhäuser Schlachthof, Neukauf Simon und der Pinocchio Pizzeria. Außerdem vermeiden sie übermäßigen Müll durch die Verwendung von Gläsern, Tassen und Tellern, die sie gegen Pfand auch wieder einfordern. Dadurch kommt es  zu einer heimeligen Atmosphäre und es fühlt sich nicht an wie beim Imbiss, auch wenn sie einen Stehtisch haben.

Da das Café uns jetzt annähernd jede Woche donnerstags in der 1.und 2. Pause mit Getränken, Brötchen mit selbstgemachtem Brotaufstrich, Canapés, Obst, Smoothies, Süßigkeiten, Quarks, Hotdogs und und und, alle frisch zubereitet und bio, versorgt, kommt noch dazu, dass die meisten Gerichte vegetarisch oder sogar vegan sind. Wenn das nicht tolerant ist.

Die Preise sind so ausgerichtet, dass es sich jeder Schüler leisten kann und doch machen sie fast genug Gewinne, um sich mit neuen Geräten auszustatten, um uns noch mehr bieten zu können. Ihre jetzigen Ziele sind eine Spülmaschine und eine neue Kühltheke, womit sie noch schneller qualitativ hochwertige Nahrungsmittel bereitstellen könnten.

Doch es gibt noch immer Kritikpunkte:

„Immer, wenn ich da hinkomme, steht da eine riesige Menschentraube und wenn ich dann dran bin, ist das, was ich wollte, schon weg“, wie ein Schüler in einem Interview sagte.

Nicht nur das Kalkulieren der Abnehmerzahl fällt dem Unternehmen etwas schwer, auch die Mitarbeiter beschreiben die organisatorische Situation als „schwierig“.

Strauchelt die Schülerfirma wieder oder hält sie dieses Mal etwas länger durch als nur ein Jahr?

Vorschläge kommen auch von den Kunden: „Man könnte doch mehrere Tage aufmachen, dann würde sich die Masse etwas verteilen.“

Doch meiner Meinung nach sieht es wesentlich besser aus als vor eineinhalb Jahren. Trotzdem könnten sie eine hilfsbereite Oma brauchen, die etwas mehr gastronomische Erfahrung hat als unsere jungen Schüler.

Außerdem würde ich sagen, dass sie die jetzige Situation erst einmal meistern müssen und mehrere Öffnungstage erst dann anstreben sollten, wenn sie sicher stehen und genügend Schüler mithelfen, denn sonst wird das nie was mit dem Motto-Erfüllen – „Unser täglich Brot“ und wir müssen wieder mit den Kuchenbäckern und Sandwichmakern vorliebnehmen.

Nora Nelson

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