Todesvermittlung – Eine Kurzgeschichte von Jospehine G.

Todesvermittlung – Eine Kurzgeschichte von Jospehine G.

Mit einem quietschenden Geräusch öffnete sich die verrostete Metalltür des Tierheims und das Pärchen trat ein. Die zwei Leute, geschätzte 95, brachten mit ihrem Getrampel sämtliche Köter zum Kläffen. Schnell rannte ich zu den alten Säcken, während die Hunde sich langsam beruhigten. Mit einem gequält aufgesetzten Lächeln und Seufzen stellte ich lustlos die rhetorischste Frage, die man nur stellen konnte: Was wollen Sie? Mit krächzender Stimme sagten die Alten: Einen Hund adoptieren. Genervt hörte ich zu. Nicht, dass mich jemand falsch versteht: Ich liebe die Arbeit im Tierheim, doch meine Lieblinge wegzugeben und sie vor allem an solche Spasten vermitteln zu müssen, die Hunde nur verziehen, bricht mir das Herz. Wie auch immer. Einen kleinen „Smalltalk“, oder wie man eben schwerhörige alte, nervige Menschen anbrüllen nennt, später, brachte ich die zwei zu einem, meiner Meinung nach angemessenen, Hund. Ihr Name? Heidi und dieser schwarze Kurzhaardackel mit der weißen Schnauze würde eh, wie die fast kahlköpfigen Faltensäcke, sehr bald ins Gras beißen. Ich nahm ihre Ausweise entgegen und gab den Hundedieben schweren Herzens die Leine.
Ein ohrenbetäubendes Quietschen und anschließend mehrfaches Bellen weckte mich sehr unsanft aus meinem Schlaf und ich fiel mit einem lauten Knall auf die Fliesen. Genervt und müde traten meine Füße aus der klapprigen, alten Plastiktür neben den ersten vier Hundeboxen und ich sah die Alten, die so stark lächelten, dass ihre Gesichter aussahen, wie zwei sehr schrumplige Rosinen. Sie sagten mir, dass sie Heidi sofort zur Probewoche mitnehmen wollen. Genervt musste ich denen mindestens fünfmal erklären, dass die zwei jetzt zur Chefin müssen. Als ich anfing, vor Wut zu schreien, passierte etwas Komisches. Der Mann hielt sich an die Brust, atmete schneller und fiel plötzlich um. Bevor ich in der Lage war, etwas zu tun, schrie die Frau auf und klappte ebenfalls vor meine Füße, wie ein kaputter Stuhl. Ich ging zu meiner Vorgesetzten und erklärte ihr: Die zwei Alten liegen draußen. Wahrscheinlich doppelter Herzinfarkt oder so. Klärst du´s, Rebekka? Sie, voll in Panik, rief die nötigen Kontakte an und während Rebekka mit dem Papierkram zu tun hatte, saß Heidi dank mir in ihrer Box und ich auf meinem Rad, an der großen Ampel, in Sichtweite vor mir mein Haus und im Augenwinkel Krankenwagen und Polizei.

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