Raubtiere in der Mensa

Raubtiere in der Mensa

Raubtiere in der Mensa – Ein etwas anderer Blick auf die Essenskultur der EVSZler

von Leandra Nöthling

Müde und  hungrig kommst du aus dem Unterricht. Als wärst du durch die Wüste der Termen und Zahlen gegangen, fühlst du dich komplett fertig. Doch nun bist du endlich entkommen. Im Nacken sitzen dir deine Freunde, die zu Hyänen mutiert sind und schon längst gewittert haben, wohin es dich verschlagen hat. In die kleine geschützte Oase. Das kleine Paradies, was einem hilft, den Tag zu überleben. Aber selbst der stärkste Löwe muss sich in Acht nehmen. Denn die Hyänen sind immer hinter dir. 

Langsam gehst du durch die Oase. Du suchst deine Beute. Es gibt viel Auswahl zwischen den Pflanzenfressern. Jedoch  bemerkst du, wie immer mehr Löwen, Geparden, Tiger und Wölfe auftauchen und sich ebenfalls an der Jagd beteiligen wollen. Jeder wird nur noch von Hunger getrieben. Sogleich beginnt eine Rangelei in der Schlange. Jeder kämpft für sich und versucht, weit nach vorne zu kommen, um sich schneller  seine Nahrung zu beschaffen. Du musst nun wirklich aufpassen, nicht  deinen Platz zu verlieren und gleichzeitig nicht überrannt zu werden. Vor dir kämpfen zwei junge Wölfe miteinander, ohne Rücksicht auf die anderen. Im richtigen Augenblick versetzt du einem von beiden einen leichten Stoß, womit beide aus der Reihe fliegen. Geschwind nimmst du ihre Plätze ein. Weshalb sollte man mit den beiden auch Mitleid haben?  Sie waren selber daran schuld, dass sie wie kleine Welpen miteinander  herumgebalgt haben. Schließlich dachte hier jeder  nur an sich selbst. 

Ein kurzer Blick nach hinten zeigt dir ein paar bekannte Gesichter, die nur darauf warten, dass du endlich Fleisch an dich  nimmst und sie es dir kurz danach heimtückisch abluchsen können. Kaum richtest du deinen Blick nach vorn, bist du es, der seine Nahrung nehmen kann. Zielgerichtet entscheidest du dich für ein großes Stück Zebrabein. Schließlich macht schwarz schlank! Da kann man ruhig ein größeres Stück nehmen. Jetzt beginnt der wahre Kampf. So schnell wie eine gejagte Gazelle fegst du durch den Raum. Nur mit dem Gedanken, endlich wieder  Energie aufzunehmen , um die Hölle der Grammatik und Vokabeln noch zu überstehen. 

Doch kaum hast du dich hingesetzt und einen, vielleicht auch zwei,  Bissen von deinem Essen genommen, da ist es schon zu spät. Die drei Hyänen umzingeln dich bereits. Mit offenen sabbernden Mäulern starren sie gierig auf deine Nahrung. Mit Knurren und Fauchen gibst du ihnen zu verstehen, dass das Objekt ihrer Begierde nicht zu haben ist. Jetzt tun sie erst einmal auf scheinheilig. Doch kaum einmal weggeschaut, fallen sie schnell darüber her. So viel Mühe du dir auch gibst, immer wieder lenkt dich einer ab und die anderen beißen ein paar Mal ab. 

Und jetzt? Was willst du dagegen tun? Willst du sie wirklich dafür beißen? Es sind immer noch deine Freunde! Du kannst nur schnell essen und hoffen, dass du noch satt wirst. Nach gefühlten Sekunden ist von deinem Zebra-Bein nur noch ein großer Knochen übrig. Grimmig räumst du die Essensreste weg. Mit immer noch leicht knurrendem Magen verlässt du die Mensa.

Draußen hat das Wetter umgeschlagen und es stürmt und regnet kräftig. Du beeilst dich, um nicht von der nächsten Sturmböe über den Schulhof  gepustet zu werden. Drinnen läutet die Schulglocke unheilvoll und kündigt somit die letzte Schulstunde an.  Aber eines ist dir klar. Morgen ist auch noch ein Tag und dann wird es wieder die Raubtierfütterung in der Mensa geben.

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