Mobbing? – Eine Kurzgeschichte von Jakob S.

Mobbing? – Eine Kurzgeschichte von Jakob S.

Wie an jedem Tag ging er langsam durch die Glastüren auf den Korridor, doch als er einen Blick nach rechts warf, machte der Junge seine Entscheidung rückgängig. Er wollte gerade wieder den Schulhof verlassen, als eine erwachsene Stimme ihn zurückhielt: „Na, wo willst du denn schon wieder hin?“ Als hätte er genau das vorgehabt, gliederte er sich wieder in die Schülermassen ein, die in die entgegengesetzte Richtung strömten und sich nach und nach auf die verschiedenen Gebäude verteilten. Wieder am Ausgangspunkt angekommen, wandte er sich ohne einen weiteren Blick nach links um. Doch der Versuch, sich vor ihnen zu verstecken, war nur der hoffnungslose Hauch von etwas Unmöglichem. Sie kamen auf ihn zu und drängten ihn zu der Ecke mit dem Hausmeisterzimmer, schnitten ihm mit ihren ungepflegten Fingernägeln in seine Haut ein. Die umstehenden Schüler und Lehrer ignorierten sie, so als wäre bei ihnen ein Loch, das blind macht, wenn man nur hineinschaut. Wie in Trance ließ der Junge sich in den kleinen Raum einschließen. „Ich habe nichts! Was wollt ihr denn noch von mir?“ Ganz schlechtes Argument. „Und was ist das hier?“ In der Innentasche meiner Jacke zeichneten sich Konturen eines Rechtecks ab. Als wäre das etwas ganz normales, nahm der Große das neue Portemonnaie, holte einen Fünf-Euro-Schein heraus und tat ihn in die Jackentasche zurück. „Hübsches Portemonnaie hast du da“, spöttelte einer der anderen. Die fünf Euro waren für den Bus, es sollte ja nicht auffallen, dass er einen Abstecher zum Hausmeisterkämmerchen gemacht hatte. Der Junge warf einen Blick zu der großen Uhr, die oben rechts an der Wand hing. Noch drei Minuten bis zum Unterrichtsbeginn. Er würde wieder zu spät kommen, die niedrigeren Klassenstufen waren weiter oben. Sie hatten seinen Blick bemerkt und ließen ihn in dem Raum alleine. Der Junge wartete einen Moment, dann sprintete er den Korridor entlang, links herum und hinaus, einfach weg von allem.

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