Findet ihr Mathe auch langweilig? Dann habe ich das perfekte Gegenmittel!

Findet ihr Mathe auch langweilig? Dann habe ich das perfekte Gegenmittel!

Eine weitere Mathestunde – Eine Kurzgeschichte von Jacob Wohllebe

Es war einmal… nein, es ist gerade. Ein langweiliger Vormittag im Matheunterricht, so wie jeden Dienstag. Meine Lehrerin schimpft schon wieder grundlos mit einem meiner Mitschüler. Er löst lieber eigene Aufgaben, anstatt ihrer passiv-aggressiven Stimmfrequenz zu lauschen. Ich habe eben eine 5+ in der Klausur bekommen, weshalb ich geradezu an ihren Lippen hänge, während ich gleichzeitig diesen Text schreibe. Die Aufgabe handelt von Thermoschaltern, die mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit die Stromzufuhr blockieren, sollte ein Küchengerät überhitzen.

Dafür hat sie sogar einige Exemplare mitgebracht und führt die Aufgabe sogleich vor:

“Wie ihr seht, ist ein Thermoschalter zu 15% fehlerhaft.”

“Ganze 15%!”, ruft eine empörte Stimme. Es handelt sich um einen alten Ofen, der wütend seine Tür wie  Lippen öffnet und schließt.

“Wissen sie denn nicht, dass Hitze dauerhaft Schäden an unseren Schaltkreisen verursachen kann?”

“Natürlich ist mir das bewusst!”, antwortet meine Lehrerin.

”Aber was tut man nicht alles, um die perfekte Matheaufgabe zu konstruieren?”

Plötzlich laufen die Maschinen rot an. Wahrscheinlich sind sie am Überhitzen!

“Mir reichts!”, brüllt der Thermomix, “sowas lasse ich mir nicht länger gefallen!”

Da ertönt ein unheilvolles Brummen und Summen, als den Küchenmaschinen auf einmal Arme und Beine wachsen.

Und schon greifen sie an!

Heiß wie Brenneisen stürzen sie sich auf die Klasse. Unsere Lehrerin ist die Erste, die unter Schmerzensgeschrei von ihnen niedergerafft wird. Wir sind auf uns allein gestellt!

“Gebraucht eure Taschenrechner!”, rufe ich verzweifelt.

Da kommt einer meiner Mitschüler auf eine geniale Idee: “Nutzt die Volumengleichung von Kugeln! V= 4/3 Pi mal r hoch 3!” Und tatsächlich, in dem Moment, da ich sie in meinen CAS eintippe, geht von ihm eine elektrische Aura aus. Sogleich wird aus seiner Lade-Buchse ein kleiner Elektronen-Ball geschossen und trifft einen Roboter mit einer solchen Geschwindigkeit, dass sich unter zuckenden Blitzen sein Arm von seinem Besitzer löst. Doch eine Kugel ist nicht genug! Die Geschöpfe werden nämlich auf mich aufmerksam und kommen mir immer näher! Da hat eine Mitschülerin einen weiteren Einfall: “Multipliziert das Ergebnis mit ∞!” Schneller als je zuvor in einer Mathe-Arbeit gebe ich die Rechnung ein. Und schon bekomme ich das Ergebnis: Ein endloser Strahl aus Blitzkugeln schießt aus meinem Taschenrechner und vernichtet jede Küchenmaschine in meinem Pfad.

Meine Klassenkameraden folgen meinem Beispiel und schon bald bleibt von den Angreifern nichts als Einzelteile übrig. Mit einem strahlenden Lächeln schauen wir uns siegessicher an, da kommt der Schrott plötzlich in Bewegung! Wir versuchen zwar sie daran zu hindern, doch zu unserem Unglück ist der Akku jedes Taschenrechners leer.

“Hat jemand ein Ladekabel dabei?”, rufe ich in die Runde, doch alle werfen mir nur unschuldige Blicken entgegen. Mal wieder typisch!

Und so, aufgeladen von den unzähligen Elektrogeschossen, baut sich vor uns ein riesiger Metallmann auf und starrt uns mit unheimlichen, blau pulsierenden Pupillen an. Da erhaschen meine Augen einen letzten Hoffnungsschimmer: Der Thermoschalter! Ich kann ihn gerade so zwischen den Schrottteilen in seiner Brust erahnen. Und so renne ich wagemutig auf den Koloss zu, weiche den rasiermesserscharfen Klingen des Pürierstabes aus, erklimme eine Spülmaschinentür, schwinge mich mit ihr an die Überreste einer Kaffeemaschine und entkomme somit nur knapp den krebserregenden Strahlen der Mikrowelle. Fast hätte mich der Teigrührarm erwischt, da stoße ich mich von seinem Körper ab, greife nach seinem schalterförmigen Herz und reiße es im Fall aus seiner Brust. Mit dem Rücken zum Monster lande ich wie ein Superheld auf dem Boden, während der Transformer hinter mir zu einem Klumpen Altmetall zusammen schmilzt. Ein letztes Mal blicke ich auf den Aschehaufen, der einmal meine Mathelehrerin war, dann löse ich meine Augen vom Papier.

“Was eine langweilige Mathestunde”, meint einer meiner Mitschüler.

Ich antworte ihm mit einem breiten Grinsen: “Ich fand sie fantastisch!”

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